St. Petri-Kirche in Berlin-Cölln

Bau der neugotischen St. Petri-Kirche

von Pfr. i.R. Gerhard Boß

Nach einer Ruhezeit von ca. 40 Jahren, beabsichtigt man, die im Jahre 1809 abgebrannte St.Petri-Kirche auf ihrer alten Stelle wiederaufzubauen. Am 18.0ktober 1844, wird in der „Vossischen Zeitung" ein Preisausschreiben zum Entwurf der PlĂ€ne fĂŒr einen Neubau ausgeschrieben. Unter folgende interessante Bedingungen:

„1. Die Wahl der Ă€ußeren Form und der Baustyl dieser Kirche bleiben, wie es sich von selbst, den Herren Architekten ĂŒberlassen, jedoch mĂŒssen sie der RĂ€umlichkeit der zu bebauenden Stelle und den VerhĂ€ltnissen einer Haupt-Kirche der Haupt- und Residenzstadt angemessen sein.

2. Das GebÀude soll einen massiven Thurm von angemessener Höhe erhalten undin diesem Raum zu einem vollstÀndigen GelÀute von 4 Glocken, zusammen von circa 100 Ctr. Schwere, vorhanden sein.

3. Es bleibt jedoch den Herren Architekten ĂŒberlassen, mehr als einen Thurm zu projektieren.

Die Turmspitzen dĂŒrfen jedoch jedoch nicht von Holz construiert werden (hier hat man sicher an die frĂŒheren UnglĂŒcksfĂ€lle gedacht), und ist bei einem Thurme anzunehmen, daß er zur Aufnahme eines nĂ€chtlichen BrandwĂ€chters eingerichtet werden kann.

4. Das Innere der Kirche muß mindestens 1500 feste Sitze und ohne den Eintritt hemmende ÜberfĂŒllung so viel StehplĂ€tze erhalten, daß susammen 3000 bequem Raum haben.

5. Die wasserfrei anzulegenden Souterrains, in welchen Heizungs-Anlagen zu projektieren sind, um die Kirche im Winter mĂ€ĂŸig erwĂ€rmen zu können, sind zu ĂŒberwölben.

6. Es wird eine Empore an drei Seiten (incl. Orgelchor) zu Projektoeren sein, dessen Zugangstreppen, um GerĂ€usch und Störung zu vermeiden, nicht offen in der Kirche liegen dĂŒrfen.

7. Das Orgel- und Musikchor muß bei angemessener Höhe zur Aufnahme eines großen Orgelwerkes und einer Zahl von wenigstens 100 Musikern und SĂ€ngern zureichenden Raum  enthalten......

8. Die Kosten des Baues dĂŒrfen die Summe von 150.000 Thalern nicht ĂŒberschreiten.....

9. .Es muß darauf gehalten werden, daß die Mittellinie des GebĂ€udes auf die BrĂŒderstraße trifft, um von der letzteren aus eine Haupftansicht zu gewinnen, und kann allenfalls an  dieser Seite ein Vorbau stattfinden. "

Als erster Preis werden 500, als zweiter 200 und als dritter 100 Thalern Gold honoriert. Den ersten Preis erhielt der Hofbaurat Professor Strack, bekannt durch den Bau der SiegessÀule. Am 7. Oktober 1846 wird der erste Spatenstich zum Aufgraben des Baugrundes getÀtigt. In Anwesenheit des Propstes zu St. Petri mit dem Bischof von Berlin, D. Neander, wird am 3. August 1847 feierlich der Grundstein gelegt.

In den Grundstein eingemauert werden: die" im frĂŒheren Grundstein gefundene Tafel und 12 MĂŒnzen ", ferner die alte" Votivtafel vom 27.Juni 1731 ", außerdem" ein Adreßkalender und ein Wohnungsanzeiger vom Jahre 1847" ein Verwaltungsbericht der Stadt Berlin wĂ€hrend der Jahre 1829-1840, ein Verzeichniß der bei der Armenpflege betheiligten Personen, eine Abschrift der Königlichen Verordnung vom Jahre 1821, nĂ€mlich ein Exemplar der Instruktion fĂŒr die KirchenvorstĂ€nde, ein Exemplar der Geschichte der Petri-Kirche von Dr. Valentin Schmidt, ein Exemplar der hiesigen Zeitungen, in welchen die Konkurrenz-Ausschreibung fĂŒr den Bauplan enthalten war, ein Exemplar der Allg.Preußischen, Vossischen und Spenerschen Zeitung vom heutigen Tage, 12 alte MĂŒnzen, ein Exemplar der Reformationsmedaille, der großen und kleinen Huldigungs-Medaille, eine Gewerbe-Ausstellungs-Medaille, der Gustav-Adolph- und BlĂŒcher-Medaille, so wie StĂŒcke der jetzt kursierenden Gold- und SilbermĂŒnzen: ein Friedrichsdor, 1 Zweithaler, 1 Einthaler usw, endlich AbdrĂŒcke des Magistrats- und Kirchen-Siegels, so wie die PlĂ€ne und Abbildungen der neuen Kirche waren auf Porzellan gebrannt. " Diese Aufstellung soll hier so genau erwĂ€hnt werden, in der Hoffnung, dass bei den archĂ€ologischen Ausgrabungen an der St. PetriKirche diese SchĂ€tze wieder ans Tageslicht kommen.

 Das Revolutionsjahr 1848 wirkt sich in finanzieller Hinsicht ungĂŒnstig auf den Bau aus, "indem tĂ€glich 2 Stunden weniger gearbeitet und höherer Lohn gezahlt werden mtiflte. " GĂŒnstig, weil - scheinbar infolge eingetretener Arbeitslosigkeit - mehr Arbeiter zur FortfĂŒhrung des Baues eingestellt werden konnten.

In diesem Jahr erreicht der Bau bereits eine Höhe von 52 % Fuß, das Mauerwerk des Turmes 67 Fuß. Innen erfolgt die Aufstellung eines SpezialgerĂŒstes. Im Jahre 1851 wird die Spitze des hohen Turmes aufgesetzt. Am 28.0ktober desselben Jahres feiert man die Krönung des stattlichen Turmgerippes, und beginnt mit der Deckung des Turmes, dazu wird Zink verwendet. Am 17.Mai 1852 ist der Turm vollendet. Mit einen kurzen Abriß der Baugeschichte schließt Baumeister Dieckhoff den obersten" Knopf' der Krönungsblume.

In den Jahren 1852 bis 1853 wird die Inneneinrichtung in Angriff genommen. Zu der reichen neugotischen Ausstattung gehörten eine der grĂ¶ĂŸten Orgeln Berlin, gebaut von Carl August Buchholz, und eine in Halle/Saale von dem Bildhauer MerkeI gearbeitete farbige Sandsteinkanzel, die auf acht Pfeilern ruhte.
Die drei Chorfenster wurden 1894 in farbiger Bleiverglasung unter Mitwirkung von Friedrich Adler angefertigt und zeigten die Oster- und Pfingstgeschichte nach GemĂ€lden von Albrecht DĂŒrer .Es ist zu hoffen, dass bei den Ausgrabungsarbeiten noch ein paar Scherben oder StĂŒcke davon zu retten sind.

Das 1896 neu ausgemalte Innere, von sechs Sterngewölben auf BĂŒndelpfeilern ĂŒberspannt, wurde durch neun große Fenster erhellt.
3 Glocken erhielt der 108 Meter hohe Turm. Von denen die grĂ¶ĂŸte 54 Ztr. wiegt; sie trĂ€gt die Inschrift: "Preiset mit mir den Herrn und lasset uns miteinander seinen Namen erhöhen. (Psalm 34,4},0" die mittlere wiegt 24 Ztr. Und hat die Inschrift: "Höret ihr Weisen meine Rede und ihr VerstĂ€ndigen merket auf mich (Hiob 34, 2},0" die dritte und kleinste Glocke ist 13 Ztr. schwer und mit dem Schriftwort versehen: "Rufet mit voller Stimme und sprecht: sammelt euch! (Jeremia 4,5} "

Der große Tag der Einweihung wird auf den 16. Oktober 1853 festgesetzt. Nach Chronikunterlagen waren versammelt: "Die Geistlichen der Kirche, Bischof D. Neander und die Prediger Blank und Weitling, der Oberkirchenrat, eine Deputation des Magistrats, als Patron der Kirche, bestehend aus dem OberbĂŒrgermeister Krausnick dem BĂŒrgermeister Naunyn und den StadtrĂ€ten Harnecker, Jordan, Koblank, Seeger und dem Stadtbaurat Kreyber, ferner der Kirchenvorstand, bestehend aus dem Vorsitzenden des Gemeinderates FĂ€hnrich, dem Stadtrat SchĂŒttler. Um 11 Uhr fuhren der König und die Königin am Portale vor und die genannten Deputationen traten Sr.M. dem Könige vor die Kirchenpforte entgegen .... Bischof D. Neander weiht die neu erbaute Kirche mit den Worten: Und nun, kraft meines Amtes als ein verordneter Diener des Herrn, weihe ich diese neu erbaute St. Petrikirche ein zu einer christlichen Gottesverehrung, ich weihe diesen Altar mit seinen heiligen GerĂ€ten, diesen Taufstein, diese Kanzel ein zum gottesdienstlichen Gebrauch im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. "

Nur 92 Jahre ist sie ein Wahrzeichen Berlins gewesen.