St. Petri-Kirche in Berlin-Cölln

Archäologische Ausgrabungen 2007

freigelegte Fudamente der hochgotischen Kirche und freigelegte Gräber
freigelegte Gräber
gesicherte Fundamente der Lateinschule

von Pfr. i.R. Gerhard Boß

Am 5. März wurde von der Senatsbaudirektorin, Frau Regula Lüscher, mit einem ersten Spatenstich auf dem Petriplatz die Eröffnung einer Bauzaunausstellung vollzogen.

Bereits bei der Entsiegelung des Parkplatzes wurden die starken und gut erhaltenen Grundmauern der Cöllnischen Lateinschule entdeckt, die 1730 bis auf die Grundmauern abbrannte. Aus den mit Hausmüll verfüllten Kellern wurden Tausende von Objekten aus den Jahren nach 1730 geborgen, darunter sehr viele Fayenceteller, teilweise mit Jahreszahlen und Aufschriften versehen, unzählige Glasflaschen, Metallobjekte, Münzen, Kämme u.a.m.

Jenseits der Schulmauern kamen weitere Gräber der früheren Bewohner Cöllns zu Tage. Bis jetzt wurden mehr als 2500 Bestattungen geborgen. In vielen Gräbern waren mehrere Personen begraben, darunter sehr oft Kinder. So kommt es, dass die Zahl der geborgenen Personen deutlich höher ist als die Zahl der Gräber. Eine Spezialistin ermittelt nach der Bergung der Gebeine das Sterbealter und das Geschlecht der Individuen und prüft, ob das Skelett krankhafte Veränderungen aufweist. Durch Laboruntersuchungen kann zudem die Herkunft und das Verwandtschaftsverhältnis von Personen ermittelt werden. Nach Abschluss der anthropologischen Untersuchungen sollen alle Gebeine wieder bestattet werden.

Zusätzlich zu den Fundamenten der Lateinschule und den alten Gräbern wurden auch Keller und Brunnen entdeckt, darunter ein sehr früher Befund eines Holzkellers. Die Unersuchung der Jahresringe hat ergeben, dass eine der Planken aus dem Jahr 1212 (+/-10 Jahre) stammt. Immer wieder werden auch Gebrauchsgegenstände wie Spinnwirtel, Spielzeugfiguren, Kämme, Töpfe und Werkzeuge gefunden.

Die Grabungen am Petriplatz erfolgen schichtweise, wobei jede historische Erdschichtfotografisch und zeichnerisch dokumentiert wird. Mit Hilfe moderner Messtechniken wird ein sehr genauer Plan von der Grabungsfläche erzeugt. Aus den verschieden alten Erdschichten werden alle Funde geborgen, gewaschen, beschriftet und durch maßstabgerechte Handzeichnungen dokumentiert. Später versuchen die Archäologen und ihre Helfer, aus den Scherben wieder Gefäße zusammenzusetzen. Metallgegenstände werden in den Werkstätten des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin-Charlottenburg in mühsamer Kleinarbeit haltbar gemacht, weil sie durch Korrosion über die Zeiten oft brüchig geworden sind.

Die Grabungsarbeiten werden im Oktober 2008 unterbrochen und sollen Mitte des kommenden Jahres wieder aufgenommen werden. Grund hierfür ist der geplante Rückbau der Brüderstraße zwischen Scharrenstraße und Gertraudenstraße, die hier genau über den Fundamentresten der verschiedenen Petri-Kirchbauten verläuft. Die Fundamente sollen bald ans Licht geholt werden, so dass die Reste der verlorenen mittelalterlichen Stadt Cölln am Ursprungsort künftig wieder erkennbar sein werden.