St. Petri-Kirche in Berlin-Cölln

Archäologische Ausgrabungen 1967

Dr. Heinz Seyer, Leiter der Bodendenkmalspflege vom Märkischen Museum, leitete mit einem kleinen Arbeitsstab die Ausgrabungen an der Petrikirche, bevor mit der Umgestaltung des Petriplatzes zu einem Parkplatz begonnen wurde.

Die Fundamente der ältesten Petrikirche kamen in der Nordseite zu Tage. Dr. Seyer erwähnt dazu: "Die Breite der Grundmauern betrug 1,20 m. An dieser Stelle stießen zwei Mauerzüge rechtwinklig aufeinander wahrscheinlich ebenfillls die Ecke zwischen Chor und Stirnwand. Die Mauern zeichnen sich durch sorgfälltige Bauweise aus; die Granitsteine waren durch körnigen,' ockerfarbigen bis gelblichbraunen Mörtel verbunden. Vor allem fanden nirgends die für die frühgotische Zeit typischen Dachpfannenreste Verwendung. Da im wesentlichen nur das Unterfundament von späteren Umbauten verschont geblieben war, fehlten die sauber behauenen Quader im Verbund der ältesten Petrikirche ... Damit war ein wichtiger Anhaltspunkt für die Zeitbestimmung der ältesten Petrikirche gegeben. Das Mauerwerk zeigte alle Elemente spätromanischer Fundamente der ersten Jahrzehnte des 13. Jh. " Wie diese spätromanische Petrikirche aussah, muss weitgehend im dunkeln bleiben.
Von den ausgegrabenen Mauerresten am Choransatz bis zum Turmabschluß betrug die Länge 40 Meter. Bei der Berechnung der Gesamtlänge der ersten Petrikirche müßte man mindestens die Länge des quadratischen Chores noch hinzuzählen. Schätzungsweise maß die Gesamtlänge der spätromanischen Petrikirche zwischen 45 bis 50 Meter und müsste ca. 20 Meter breit gewesen sein.

Dr. Seyer erwähnt noch folgende Besonderheiten: „Unter den spätromanischen Bauresten hoben sich zwei Grabgruben mit Skletteilen ab, die unversehrt im Boden verblieben. Damit lag der Nachweis vor, dass schon Bestattungen vorhanden waren, ehe die Fundamente für den Erstbau der Petrikirche gelegt worden war. Insgesamt konnten 40 Bestattungen bzw. -reste freigelegt werden, die keinerlei Kulturreste, wie Tonscherben, Holzkohle, Metallsachen u. ä. enthielten. Es handelte sich bereits um christliche Bestattungen.“

Zur Zeit der Untersuchungen gab es noch keine Möglichkeit, das Alter von menschlichem Knochenmaterial mit Hilfe naturwissenschaftlicher Methoden festzustellen. Diese Methoden stehen nun, 40 Jahre später zur Verfügung. Deshalb könnte es gelingen, das tatsächliche Alter der Bestattungen festzustellen, die von den früheren Ausgräbern als die ältesten menschlichen Spuren der Besiedlung gedeutet wurden.

Wahrscheinlich stand vor der Erbauung der spätromanischen Kirche bereits eine Holzkirche im alten Cölln, denn wo ein Friedhof angelegt wurde, stand auch bereits ein Gotteshaus.

Neue Erkenntnisse werden uns die ärchäologischen Ausgrabungen bringen, die im Jahr 2009 an der Brüderstraße und Ecke Gertraudenstraße fortgeführt werden.

Gerhard Boß, Pfarrer i.R.