St. Petri-Kirche in Berlin-Cölln

Das Gemeindehaus St. Petri

Eingang zum Petri-Luisenstadt-Gemeindehaus
Unser Gemeindesaal, hier vorbereitet fĂŒr eine Adventsfeier
Im Altarraum das schmiedeeisernes Kreuz, in das Messing eingelegt wurde (gestaltet von Fritz KĂŒhn)
An der Kanzel aus LĂ€rchenholz „Die Speisung der 5000“ (Joh. 6.1) ...
„Unter dem Schatten deiner FlĂŒgel...“ (91. Psalm), entworfen von dem KĂŒnstler Ellwein
Auf der Empore die Schuke-Orgel

von Pfr. i.R. Gerhard Boß

Es gibt heute in Berlin viele GemeindehÀuser, aber es gibt nur wenige GemeindehÀuser mit einem Kirchsaal, der so freundlich, hell und warm den Besucher empfÀngt wie der St. Petri-Kirchsaal.

Gehen wir den AnfĂ€ngen nach. Als erste Gemeinde Berlins dachte die St.Petri-Gemeinde an den Erwerb eines Gemeindehauses als HeimstĂ€tte fĂŒr kirchliche Liebesarbeit und fĂŒr Veranstaltungen, die der TĂ€tigkeit von Kreisen oder, wie man es damals nannte, „Vereinen“ dienen sollte. Die erste Veranlassung dazu ergab sich aus der GrĂŒndung eines kirchlichen Kindergartens, der am 1. April 1878 unter dem Namen „Oberlin-Schule“ eröffnet wird. Er bezieht zunĂ€chst eine gemietete Etage in dem Haus Spittelmarkt 7 mit Spielplatz, nahe der GertraudenbrĂŒcke, wo Kinder von 3 - 6 Jahren beaufsichtigt und beschĂ€ftigt werden, wĂ€hrend die Eltern ihrem Erwerb nachgehen. SpĂ€ter kommt noch eine Kinderkrippe fĂŒr die Allerkleinsten hinzu. Eine dritte Einrichtung - der Hort mit 55 Kindern - ergĂ€nzt die beiden zuerst genannten. Das Anwachsen der Kinderschar - sie war bald ĂŒber 100 gestiegen - lĂ€sst nach einem neuen Quartier Ausschau halten.

Im Protokoll des Gemeindekirchenrates vom 4. August 1891 heißt es: „Unerwartet hat sich die Gelegenheit fĂŒr uns geboten, das dem MilitĂ€rfiskus gehörige, in der Neuen GrĂŒnstr.19 gelegene GrundstĂŒck zu erwerben, in der GrĂ¶ĂŸe von 2098 qm. Das Haus diente bis zum Jahre 1877 als Garnison-Lazarett. Das GebĂ€ude befindet sich in einem reparaturbedĂŒrftigen Zustande. Die Kosten des Ausbaus hat der Baumeister Karchow auf etwa 43.000 M veranschlagt“ Nach einigen Umbau- und Reparaturarbeiten am Gemeindehaus wurde das Haus am 9. April 1892 von Propst Freiherr von der Goltz, der auch manche akademische und weitere kirchliche Ämter innehatte und an St.Petri tĂ€tig war, eingeweiht und seiner Bestimmung ĂŒbergeben. Die Chronik bezeichnet dieses Ereignis als einen Meilenstein in der Geschichte der St. Petri-Gemeinde. „Wir danken Gott, dass ein langjĂ€hriger Wunsch nun endlich in ErfĂŒllung gegangen ist, der Wunsch, ein wohnliches und zweckmĂ€ĂŸiges Heim fĂŒr die verschiedensten Zweige unserer Gemeindepflege zu besitzen. Unsere Gemeindeschwestern, die Oberlinschule, die Krippe, die NĂ€h- und Strickschule, der Jungfrauen- und der BeschĂ€ftigungsverein sind nunmehr in passendster Weise untergebracht.“

Das neue Gemeindehaus galt nun ĂŒber zwei Jahrzehnte hindurch als eine „Musteranstalt“, die von hiesigen und auswĂ€rtigen Geistlichen und den Teilnehmern an den Kursen fĂŒr Innere Mission regelmĂ€ĂŸig besucht wurde.
Nach 20 Jahren, am 7. Dezember 1912 beschließt der Gemeindekirchenrat einstimmig: „den Neubau des Gemeindehauses.“ Die Veranlassung war: „dass im alten Gemeindehaus ein Gemeindesaal fehlte. Auch war es notwendig, fĂŒr die mĂ€nnliche Jugendpflege, die im AufblĂŒhen der Entwicklung begriffen ist, bessere RĂ€ume zu schaffen.“ Nach Abbruch des alten Gemeindehauses, wurde am 8. Juni 1913 der Grundstein fĂŒr das neue Haus gelegt.

In der Chronik heißt es: „Die KostenanschlĂ€ge der uns zur Entscheidung vorgelegten fĂŒnf EntwĂŒrfe berechneten die Baukosten auf 331 000 bis 349 000 Mk. Wir wĂ€hlten das Projekt, das der uns schon vom Bau unserer Friedhofskapelle her bekannte und von uns geschĂ€tzte Baumeister E. Koeppen uns vorgelegt hatte, und hatten die Freude bei unserer Wahl, dass der Magistrat als Patronatsbehörde diesem Projekt unter besonderer Anerkennung der gelungenen Lösung der Aufgaben seine Zustimmung erteilte."

Die ökonomischen VerhĂ€ltnisse der Gemeinde waren bis 1913 recht gut. Durch den Verkauf der „Spree-Wiese“ vor dem ,Schlesischen Thore' und der ehemaligen „Waldow'schen Hufe“ vor dem ,Landsberger Thore' ist die Kirchenkasse in den Besitz von Kapitalien gelangt, die zur Errichtung des neuen Gemeindehauses verwendet wurden. Der Neubau konnte noch soweit vereinfacht werden, dass der Bau die Kosten von 288 000 Mk. nicht ĂŒberschritt und somit noch fĂŒr die Inneneinrichtung ein gewisser Betrag zur VerfĂŒgung stand.

Am 13. Apri/1914, am 2. Ostertag, wurde das Gemeindehaus durch Generalsuperintendent Dr. Lahusen eingeweiht. Propst Kawerau von St. Petri gab einen Überblick ĂŒber die Geschichte des alten Gemeindehauses und ĂŒber die BedĂŒrfnisse der Gemeinde, die zum Neubau fĂŒhrten. In der Chronik heißt es: „Mit großer Freude begrĂŒĂŸen wir das Vorhandensein des großen, schönen Saales in unserem Hause. Unser JungmĂ€nner- und Knabenverein, nicht weniger auch der Jungfrauenverein sind nun in der angenehmen Lage, im eigenen Hause ihre Feste zu feiern, und brauchen nicht mehr außerhalb der Gemeinde SĂ€le zu suchen oder unter der Engigkeit der VersammlungsrĂ€ume, wie sie das alte Haus bot, zu leiden.“ In der 3. Etage wurde auch eine Turnhalle und in den KellerrĂ€umen eine Kegelbahn fĂŒr Gemeindeglieder zur VerfĂŒgung gestellt. Im Krieg, besonders beim Bombenangriff am 3. Februar 1945, wurde auch das Gemeindehaus zur HĂ€lfte zerstört. Bald nach dem Zusammenbruch beginnt mit der EnttrĂŒmmerung die Wiederherstellung des GebĂ€udes. Die St. Petri-Kirche konnte durch die Kriegseinwirkungen nicht mehr benutzt werden, es wurde nun der Gemeindesaal zu gottesdienstlichen Zwecken umgestaltet. Die wesentliche VerĂ€nderung besteht darin, dass die ehemalige BĂŒhne zu einem Altarraum umgebaut wurde. Kanzel und Altartisch sind aus LĂ€rchenholz gefertigt und wurden im Advent 1960 geliefert. Besondere Freude hat die Gemeinde an dem Antependium, das bildlich den 91. Psalm darstellt („Unter dem Schatten deiner FlĂŒgel...“), entworfen von dem KĂŒnstler Ellwein. Der Kirchsaal erhĂ€lt auch eine Orgel des Orgelbauers Schuke. Diese ,wurde am 16. Juni 1957 eingeweiht. FĂŒr die Altarwand schuf der KĂŒnstler Fritz KĂŒhn ein schmiedeeisernes Kreuz, in das Messing eingelegt ist. Vom gleichen KĂŒnstler stammt auch der TaufstĂ€nder, ebenfalls aus Schmiedeeisen, mit einer schlichten Messingschale. Die Taufschale ist bei der Taufe des Kindes Matthias Boß am 19. November 1961 zum ersten Male benutzt worden. 1983 begannen die Arbeiten an der Heizungsanlage, mit dem Ziel, das Gemeindehaus an die Fernheizung anzuschließen. Die Brikettkohlenberge auf dem Hof, der viele ungesunde Kohlenstaub, die dringenden Bitten beim Magistrat um zusĂ€tzliche Kohlenlieferung hatten damit bald ein Ende.

Bis zur WĂ€hrungsunion im Juni 1990 wurden alle umfangreichen Baumaßnahmen vom Magistrat bilanziert. Die seit vielen Jahren geplante Neueindeckung unseres Gemeindehauses konnte erst 1990/91 realisiert werden. Die Dachziegel waren bereits 1988 aus der Bundesrepublik eingefĂŒhrt worden, so dass die BauausfĂŒhrung nun sehr schnell erfolgen konnte. Eine neue Bestuhlung 1994 im Kirchsaal löste die 1974 angeschafften grĂŒngepolsterten StĂŒhle ab. Der Kirchsaal und die beiden GemeinderĂ€ume erhielten im FrĂŒhjahr 1994 einen neuen farblichen Anstrich, nachdem weitere Elektroinstallationen in den RĂ€umen durchgefĂŒhrt wurden.

Das HerzstĂŒck der Gemeinde ist der Kindergarten - heute 126 Jahre alt - hier finden Kinder in einer kleinen Oase der Großstadt die Gewissheit des Angenommenseins, wo Zeit da ist, auf Ereignisse, Fragen und GefĂŒhle der Kinder einzugehen, wo auch gemeinsam Glauben gelernt werden und wachsen kann. Der Kindergarten hat Z.Zt. eine KapazitĂ€t von 30 Kindern. 1965 konnte die „FördertagesstĂ€tte fĂŒr mehrfachbehinderte Kinder“ eingerichtet werden. Sie war die erste Einrichtung dieser Art in unserer Stadt. Nach der „Wende" trafen uns die Bundesgesetze hart, zumal die Einrichtung mit einer KapazitĂ€t von 21 mehrfach behinderten Kindern zu klein war und eine schulische Förderung nicht gewĂ€hrleistet werden konnte. Die Kirchenleitung und das evangelische Konsistorium hatten nach 1945 im 1. Aufgang des Gemeindehauses ihren stĂ€ndigen Sitz. Seit 1997 sind diese Dienststellen vereint im Missionshaus, Berlin - Georgenkirchstr. 69. Das Gemeindehaus beherbergt heute das Kirchliche Verwaltungsamt Berlin Stadtmitte, das Amt fĂŒr evangelische Jugendarbeit in Berlin und Brandenburg, das BĂŒro der Diakonie Treuhand GmbH sowie die Amts- und Wohneinheiten des Gemeindepfarrers mit
Familie Peter Reichmayr.

Das Gemeindehaus ist BegegnungsstĂ€tte fĂŒr viele Menschen_ Alte, Junge, Kranke, Gesunde, Fröhliche und Traurige. Gottes Segen und sein Angebot zum Leben gilt allen.

Quelle: „Unsere Gemeinde – Gemeindebrief der Ev. St.Petri-Luisenstadtgemeinde“
Mai bis Juli 2004